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»Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt; und die Gottesfurcht ist es schon, die uns den Frieden lieben und pflegen läßt.« (Otto von Bismarck)
Werner Helwig wurde am 14. Januar 1905 in Berlin-Friedenau geboren. Sein Vater war als Maler und Lehrer an einer Kunstschule in Berlin tätig. Der junge Helwig entwickelte schon früh eine ungewöhnliche Leselust, die sein ganzes Leben bestimmte. Seine Schullaufbahn endete, infolge von Kriegssituation und gespannten häuslichen Verhältnissen ohne Abschluß. Mit Scheidung der Eltern wurde der 12jährige dem Sorgerecht des Vaters unterstellt, von diesem 1919 in die Erziehungsanstalt Rauhes Haus in Hamburg gegeben und anschließend in eine landwirtschaftliche Lehre nach Mecklenburg. 1922 ging Helwig nach Hamburg und eignete sich als Autodidakt und als Schwarzhörer von Vorlesungen Kenntnisse in Sprachen, Literatur, Kunst, Musik und Ethnologie an.
1923 wurde er wegen Teilnahme an einer kommunistischen Demonstration inhaftiert. Nach der Haftentlassung erschienen erste Gedichte in den Zeitschriften Wandervogel und Junge Menschen. Seit 1923 unternahm er erste ausgedehnte Wanderungen und Fahrten und suchte Persönlichkeiten der literarischen Welt auf, die er besonders verehrte, z.B. Knut Hamsun, Thomas Mann und Rainer Maria Rilke.
Eine seiner Wanderungen führte Helwig in den Hunsrück zur Burgruine Waldeck, dem Sitz des Nerother Wandervogels. Er trat dem Jugendbund bei, gehörte dem Führungszirkel des Nerother Wandervogel an und weilte zwischen 1927 und 1933 wiederholt für Wochen oder Monate auf der Burg Waldeck. In diese Zeit fallen erste Kontakte zu dem Schriftsteller Rudolf Pannwitz, dem Biosophen Ernst Fuhrmann sowie zu Hans Henny Jahnn, mit dem ihn dann eine fast 40-jährige Freundschaft verband. Ab 1929 leitete Helwig in Hamburg eigene Nerother Gruppen und ging mit ihnen auf Fahrt. 1931 wurde er wegen Verstoßes gegen § 176 in Untersuchungshaft genommen und verbüßte 1932 unter Anrechnung dieser Haft noch sechs Monate Gefängnisstrafe.
1933 verließ Helwig Deutschland in Richtung Süden über die Schweiz und Sizilien nach Tunis. Über Capri, wo er den todkranken Dichter Theodor Däubler kennen lernte, kehrte er im selben Jahr nach Deutschland zurück und trat mit Freunden aus dem Nerother Wandervogel pro forma in die Hitler-Jugend ein, um auf diese Weise als Gruppe überleben zu können. 1934 konnte er sich einer Verhaftungswelle gegen Bündische durch Flucht entziehen. In den folgenden Jahren lebte Helwig an wechselnden Orten: wiederholt in Italien, besonders auf Capri (1934, 1936, 1938) und Ischia (1935, 1937). 1935, 1937/38 und 1938 hielt er sich auf Einladung seines Freundes Alfons Hochhauser längere Zeit in Griechenland und dort vorwiegend im Pilion auf. In die 30er Jahre fallen auch Helwigs Islandreise, wiederholte Besuche bei H. H. Jahnn auf Bornholm, Aufenthalte in London, Paris und in der Schweiz.
Mehrfach kehrte er kurzfristig nach Deutschland zurück, um Verlagen und Redaktionen seine Werke anzubieten. 1934 und 1935 erschienen in der Rabenpresse »Die Ätna-Ballade« und »Nordsüdliche Hymnen«, 1939 bei Asmus »Raubfischer in Hellas«.
1941 heiratete er in der Schweiz Yvonne Germaine Diem, mit der er zwei Söhne hatte. 1942 musste er wegen Verstoßes gegen das seit Kriegsbeginn für Ausländer bestehende Publikationsverbot die Schweiz verlassen, lebte bis 1949 mit seiner Familie in kärglichen Verhältnissen in Liechtenstein und ab 1950 nach Rückkehrerlaubnis in Genf.
Nun kamen die meisten seiner Bücher heraus, und Helwig machte sich als freier Mitarbeiter zahlreicher Zeitschriften als Essayist, Kritiker und Rezensent einen Namen. Von Genf aus unternahm er in späteren Jahren Familienreisen unter anderem nach Südamerika, Japan und Indien, bis 1978 seine Frau Yvonne starb. 1981 heiratete er ein zweites Mal: Gerda Heimes. Er starb am 4. Februar 1985 in Thônex bei Genf.